JUSO erzählt Geschichten aus dem Ausgang

14.09.2020 - Andrea Scheck

An verschiedenen Stellen in der Stadt St. Gallen haben wir auf Gewalt, Belästigung und Sexismus im Ausgang aufmerksam gemacht. Mit Absperrband, Kreide und Aushängen präsentierten wir fiktionale Fälle und forderten von der Stadt eine Kampagne.

In der ganzen Innenstadt klebten gestern Nacht die Geschichten von Maria, Jelena, Valentina, Eva und Alexandra. Die aufgehängten Blätter erzählten von Gewalt-Erfahrungen, zum Beispiel durch Betrunkene an der Bushaltestelle, eine Männer*-Gruppe auf dem Heimweg oder den eigenen Partner. Die Geschichten sind erfunden, aber realistisch. Sie passieren so oder ähnlich jedes Wochenende, auch in der Stadt St. Gallen.

Wir fordern mit der Aktion eine Kampagne der Stadt gegen Sexismus, Belästigung und Gewalt im Ausgang, damit dieser für alle Menschen sicher ist. Dies deckt sich unter anderem mit unserem Einsatz im Stadtparlament für eine aktive Umsetzung der Istanbul-Konvention zur Bekämpfung der Gewalt an Frauen*.

Gewalt an Frauen* ist ein riesiges, aber oft unsichtbares Problem. Wir meinen damit nicht nur häusliche Gewalt: Speziell junge Frauen* sind im öffentlichen Raum heute stärker von Gewalt bedroht als jemals zuvor. Als Kantonshauptstadt und Ausgangszentrum in der Ostschweiz müssen wir dagegen etwas unternehmen!

Gerade als Ort, wo jedes Wochenende viele junge Frauen* in den Ausgang gehen, ist die Stadt St. Gallen mehr und spezifischer im Brennpunkt der Debatte als der Rest des Kantons. Die Gewalt kann in diesem Kontext oft weniger offensichtliche Formen annehmen: Frauen* werden begrabscht, bedroht, verfolgt oder eingeschüchtert. Teilweise von Fremden, teilweise von Freunden, Bekannten oder sogar von den eigenen Partnern. Gerade weil diese Gewalt subtil, unauffällig und alltäglich ist, trauen sich die meisten Betroffenen nicht, etwas dagegen zu unternehmen.

Einerseits ist die Sensibilisierung wichtig. Jede Frau* muss wissen, dass sie immer das Recht hat, sich mit den nötigen Mitteln zu wehren, egal wie ‘klein’ der Übergriff auf andere wirkt. Andererseits braucht es Prävention: Die Täter müssen wissen, dass sie mit Gewalt nicht durchkommen und die ganze Gesellschaft solche Gewaltakte ernst nimmt.

Wir fordern von der Stadt eine Vorreiterinnenrolle in Bezug auf den Kampf gegen Gewalt. Sie soll im Kanton die Federführung übernehmen, wenn es darum geht, neue und innovative Wege zu finden, wie Gewalt gegen Frauen* verhindert werden kann. Dazu gehört neben einer neuen Kampagne natürlich auch die Unterstützung von bestehenden Organisationen wie dem Frauenhaus.